CeBIT 2009 – Der Hermes brennt lichterloh

4.300 Aussteller zählte die diesjährige CeBIT – ein Einbruch um 1.500 Firmen bzw. 25% im Vergleich zum Vorjahr. Rd. 400.000 Besucher fanden den Weg nach Hannover – 20% weniger als 2008 (495.000). Die CeBIT verlor seit 2001 fast 50% ihrer Aussteller (’01: 8.300) und mit rd. 200.000 qm mehr als die Hälfte ihrer vermieteten Fläche (’01: 430.000 qm). Damit ist der Branchentreffpunkt bei Ausstellern und Besuchern auf dem Stand von 1990 angekommen und kleiner als die Hannover Messe.

“Die CeBIT hat ihr Versprechen gehalten und für Aufbruchstimmung gesorgt”

Ein Geschäftspartner der Messe AG kommentierte die halbleeren Hallen mit den Worten: “Unterm Dach brennt es lichterloh.” Ein Aussteller drohte angesichts geringerer Geschäftskontakte, seinen Stand 2010 im besten Fall “per Motorsäge zu halbieren”. Ein lokaler Gastronom kommentierte die DMAG mit den Worten: “Die Messe funktioniert seit 40 Jahren mit der Einstellung, dass Aussteller zu ihr kommen und sie bezahlen”. Der Hermes steht in Flammen. Offiziell heißt das “Hermes Plus”.

Schon für 2008 schätzen Insider einen Verlust von 14 Mio. Euro . Bis heute wurde kein Jahresabschluss veröffentlicht. Der CeBIT-Einbruch 2009 wird für die Messeverantwortlichen zum Desaster. Die roten Zahlen werden dieses und vor allem nächstes Jahr weiter steigen. CeBIT und Hannover Messe stehen für 40% der Erlöse. Im kommenden Jahr rechnen Messeprofis auch noch mit einem Einbruch bei der Industriemesse. Grund: Die Krise kommt bei den Maschinenbauern verzögert an.

“Die Messe hat eine Lernkurve – so glatt wie eine Bowlingbahn”

Die Messegesellschaft reagiert – nicht nur für Laien – unverständlich: Freiflächen werden mit breiteren Gängen, bepflanzten Naherholungszonen, zusätzlichen Messegaststätten und Absperrwänden “optimiert”. Der Austellerschwund wird schöngeredet, Halbzeitzahlen werden verweigert, Besucherzahlen sind plötzlich nicht mehr so wichtig. Im Messeturm gilt ebenso wie bei großen Partnern eine Weiter-so-Mentalität. Obwohl das Flammeninferno nicht erst seit heute droht.

Die Suppe löffeln die Mitarbeiter in Laatzen aus. Das Notprogramm “Hermes Plus” bis 2014 setzt auf Stellenabbau durch Fluktuation und Einstellungsstopp. 60 Zeitarbeiter werden in diesem Jahr wohl ihren Job verlieren. Auf die verbleibenden Mitarbeiter warten zusätzliche Belastungen. Sie müssen eine “Full-Service-Unit” aufbauen, die für Aussteller den Messeauftritt plant. Ob halbleere CeBIT-Hallen und Pflanzenschauen eine gute Referenz sind, bleibt allerdings mehr als fraglich.

“Wenn Hannover nicht aufpasst, bekommen sie ein Problem”

Die Deutsche Messe AG gilt als chronischer Patient. Schon mit dem Grausamkeiten-Katalog “Hermes 2010” wollte sie aus den Schulden kommen und neues Geschäft aufbauen. Während man sich in Düsseldorf und Frankfurt in den Flieger setzte und ins Ausland expandierte, sonnten sich die Messefürsten an der Leine in den unendlichen Weiten ihres Geländes. In der Branche gelten kleinere Landesmessen als “flexibler”. Wer bei Drei nicht auf dem Baum ist, landet zumeist am Rhein oder an der Spree.

Ohne die bekannt gewordene Finanzspritze von 250 Mio. Euro steht die Deutsche Messe auf der Kippe. Ministerpräsident Christian Wulff umschrieb dies als “Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit”. Die Infusion wollen sich Niedersachen und Hannover brüderlich teilen. Pikant: Die Landeshauptstadt will ihren Teil mit Krediten finanzieren. Zudem soll das weltgrößte Messegelände filetiert werden, heißt: Hallen müssen womöglich abgerissen, Flächen im schlimmsten Fall versilbert werden.

Auch wenn sich Ernst Raue und August-Wilhlem Scheer in Hannover alle Mühe gaben, den Aufschwung herbeizureden: Die CeBIT war – unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage – kein Glanzpunkt für das deutsche Messewesen. Zitat eines langjährigen Messe-Profis: “Das ist schlimm für unsere ganze Branche.” Bleibt zu hoffen, das Berlin mit seinem LinuxTag und Stuttgart mit der IT & Business ihre Chancen nutzen und die Konzepte auf die Zukunft ausrichten.

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