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CeBIT 2010: Von der Leit- zur light Messe

Leere Hallen mit breiten Gängen auf der CeBIT 2010 in Hannover. (Foto: Thorsten Claus)

Leere Hallen mit breiten Gängen auf der CeBIT 2010 in Hannover. (Foto: Thorsten Claus)

Mit diesen Worten läuteten Vertreter eines internationalen Handyherstellers auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor zwei Wochen den endgültigen Abgesang der einstigen IT-Leitmesse in Hannover ein. Die niedersächsische Landesmesse hielt mutig dagegen, dass auch Google in Hannover dabei sei. Nur eben weder mit einer Keynote von Vorstandschef Eric Schmidt, einer eintägigen Entwicklerkonferenz zum Top-Thema „Mobile Apps“ noch mit mind. 1.500 Nexus-One-Smartphones für Fachbesucher. Statt dessen wirbt der Internet-Riese mit drei Street-View-Autos auf einem spartanischen Stand am Hallenrand für sein viel diskutiertes, aktuell erneut kritisiertes „Fotoprojekt“.

CeBIT 2010 Googles-Kammera-Auto (Foto: Thorsten Claus)

CeBIT 2010 Googles-Kammera-Auto (Foto: Thorsten Claus)

Den nächsten „Brüller“ leistete sich die Messe AG mit der Ankündigung der Deutschland-Premiere des neuen Microsoft-Betriebssystems „Windows Phone 7“ in den Laatzener Messehallen. Davon weiß der Deutschland-Pressesprecher des Software-Riesen, Thomas Mickeleit, irgendwie gar nichts, ebenso wie von einem „Phone 7“ auf dem eigenen Messestand. Zum Thema Internationalität bringt Bernd Wagner, Senior Vice Präsident Sales Cluster Germany bei Fujitsu, das „Tüpfelchen“ auf dem „i“. In „spartanischem Grundschul-Englisch“ hangelte er sich am Montag durch die eigene Pressekonferenz und sprach in fließendem „Business-Englisch“ vom aktuellen – Zitat – „Bauabschnitt“ des neuen Fujitsu-Werkes.

Unter der Rubrik „Schon mal gehabt und noch mal aufgewärmt“ präsentiert die diesjährige CeBIT die größten Hits der 07er, 08er und 09er „Prosumer-Show“. Auf gut deutsch: Cloud Computing, Green-IT und Mobile Messaging sind die angebeteten Heilsbringer für die Auftragsbücher 2010. Aber auch die Freunde des „Grünen Daumens“ kommen bei der diesjährigen „Indoor-Gartenschau“ wieder nicht zu kurz. Die ausgedehnten „Grünanlagen“ u. a. in den Business-Hallen 5-7 werden großzügig eingerahmt von extra breiten „Flaniermeilen“ für die zahlreichen „Fachbesucher“, die eines der „begehrten“ Tickets für 0,- EUR bei pearl.de ergattern konnten.

Extra breiten “Flaniermeilen” für die zahlreichen CeBIT-Fachbesucher (Foto: Thorsten Claus)

Extra breiten “Flaniermeilen” für die zahlreichen CeBIT-Fachbesucher (Foto: Thorsten Claus)

Die Wiener Zeitung lästert angesichts des Niedergangs genüsslich über „Das Flaggschiff auf Halbmast.“ Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg sieht hingegen eine positive „Wende“ für die CeBIT und bezeichnet die IT-Messe als „richtige Perle“ für sein Unternehmen. Bleibt die Frage, ob die Lobeshymnen an der – gemeinsam mit der Telekom genutzten – „Endverbraucherhalle“ 4 oder womöglich an geschenkten Quadratmetern liegen… Von verschiedenen Ausstellern war im Vorfeld von satten Preisabschlägen für Ausstellungsfläche und Standbau zu hören. So bekommt man auch noch irgendwie die eine oder andere Sonderschau zusammen.

„Mehr Vorträge, mehr Inhalte, mehr Wissenstransfer„, der Messeveranstalter im Hannoveraner „Elfenbeinturm“ hält mutig dagegen. In den kommenden Tagen werden viele Aussteller und IT-Besucher wohl eher zu dem ernüchternden Ergebnis kommen: „Weniger Hallen, weniger Aussteller, weniger Internationalität„. Schließlich sind die 20er-Halle im Westen des Messegeländes verweist oder mit dem Versuch einer „Business-Musik-Messe“ belegt. Dafür steht die „lokale“ Komponente – von fehlender Internetstrategie der Bundesregierung bis fehlender Kompetenz in Sachen Mobilität – im Mittelpunkt. Auch die schicke, neue CeBIT-App fürs iPhone passt wunderbar da rein. Ob man an der Leine schon mitbekommen hat, dass der iPhone-Hype vorbei ist…?

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. (Foto: Bitkom)

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. (Foto: Bitkom)

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. brachte den vielleicht interessantesten „Kommentar“ zur CeBIT 2010 im Rahmen der Jahrespressekonferenz des IT-Branchenverbandes am Montag-Vormittag: „Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Viel mehr muss man gar nicht mehr zur CeBIT sagen.

Siehe auch: CeBIT 2009 – Der Hermes brennt lichterloh

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1. Android BarCamp in Deutschlad in Berlin

1. Android BarCamp in Deutschlad.

1. Android BarCamp in Deutschlad

Nach dem interessanten gestrigen Warmup zur „droidcon“ und dem „droidcamp“ im St. Oberholz in Berlin-Mitte mit knapp 50 Leuten und vielen interessanten Gesprächen (Danke Till, Thomas, Carmen) . Bin ich heute auf dem BarCamp “droidcamp“ genannt. Auf dem heutigen “droidcamp“ treffen sich über 220 Leute aus den Bereichen Development und Business im Qube in Berlin-Dahlem.

Morgen findet dann im Qube die “droidcon“ als erste deutsche Android Konferenz statt. Die Berliner “droidcon“ bietet mit 30 Präsentationen, Demonstrationen und Diskussionen in vier Panels das umfangreichste Programm zu Nutzen, Entwicklung und Geschäftsmodellen der Android-Plattform in Deutschland an. Schwerpunkte sind die vier parallelen Panels am Nachmittag. Hier erfahren die Besucher Neuigkeiten zu Applikationen, zur Android-Entwicklung und zu den Geschäftsmodellen sowie zu anwendungsübergreifenden Themen. Das gesamte Programm findet man unter www.droidcon.de.

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CeBIT 2009 – Der Hermes brennt lichterloh

4.300 Aussteller zählte die diesjährige CeBIT – ein Einbruch um 1.500 Firmen bzw. 25% im Vergleich zum Vorjahr. Rd. 400.000 Besucher fanden den Weg nach Hannover – 20% weniger als 2008 (495.000). Die CeBIT verlor seit 2001 fast 50% ihrer Aussteller (’01: 8.300) und mit rd. 200.000 qm mehr als die Hälfte ihrer vermieteten Fläche (’01: 430.000 qm). Damit ist der Branchentreffpunkt bei Ausstellern und Besuchern auf dem Stand von 1990 angekommen und kleiner als die Hannover Messe.

„Die CeBIT hat ihr Versprechen gehalten und für Aufbruchstimmung gesorgt“

Ein Geschäftspartner der Messe AG kommentierte die halbleeren Hallen mit den Worten: „Unterm Dach brennt es lichterloh.“ Ein Aussteller drohte angesichts geringerer Geschäftskontakte, seinen Stand 2010 im besten Fall „per Motorsäge zu halbieren“. Ein lokaler Gastronom kommentierte die DMAG mit den Worten: „Die Messe funktioniert seit 40 Jahren mit der Einstellung, dass Aussteller zu ihr kommen und sie bezahlen“. Der Hermes steht in Flammen. Offiziell heißt das „Hermes Plus“.

Schon für 2008 schätzen Insider einen Verlust von 14 Mio. Euro . Bis heute wurde kein Jahresabschluss veröffentlicht. Der CeBIT-Einbruch 2009 wird für die Messeverantwortlichen zum Desaster. Die roten Zahlen werden dieses und vor allem nächstes Jahr weiter steigen. CeBIT und Hannover Messe stehen für 40% der Erlöse. Im kommenden Jahr rechnen Messeprofis auch noch mit einem Einbruch bei der Industriemesse. Grund: Die Krise kommt bei den Maschinenbauern verzögert an.

„Die Messe hat eine Lernkurve – so glatt wie eine Bowlingbahn“

Die Messegesellschaft reagiert – nicht nur für Laien – unverständlich: Freiflächen werden mit breiteren Gängen, bepflanzten Naherholungszonen, zusätzlichen Messegaststätten und Absperrwänden „optimiert“. Der Austellerschwund wird schöngeredet, Halbzeitzahlen werden verweigert, Besucherzahlen sind plötzlich nicht mehr so wichtig. Im Messeturm gilt ebenso wie bei großen Partnern eine Weiter-so-Mentalität. Obwohl das Flammeninferno nicht erst seit heute droht.

Die Suppe löffeln die Mitarbeiter in Laatzen aus. Das Notprogramm „Hermes Plus“ bis 2014 setzt auf Stellenabbau durch Fluktuation und Einstellungsstopp. 60 Zeitarbeiter werden in diesem Jahr wohl ihren Job verlieren. Auf die verbleibenden Mitarbeiter warten zusätzliche Belastungen. Sie müssen eine „Full-Service-Unit“ aufbauen, die für Aussteller den Messeauftritt plant. Ob halbleere CeBIT-Hallen und Pflanzenschauen eine gute Referenz sind, bleibt allerdings mehr als fraglich.

„Wenn Hannover nicht aufpasst, bekommen sie ein Problem“

Die Deutsche Messe AG gilt als chronischer Patient. Schon mit dem Grausamkeiten-Katalog „Hermes 2010“ wollte sie aus den Schulden kommen und neues Geschäft aufbauen. Während man sich in Düsseldorf und Frankfurt in den Flieger setzte und ins Ausland expandierte, sonnten sich die Messefürsten an der Leine in den unendlichen Weiten ihres Geländes. In der Branche gelten kleinere Landesmessen als „flexibler“. Wer bei Drei nicht auf dem Baum ist, landet zumeist am Rhein oder an der Spree.

Ohne die bekannt gewordene Finanzspritze von 250 Mio. Euro steht die Deutsche Messe auf der Kippe. Ministerpräsident Christian Wulff umschrieb dies als „Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit“. Die Infusion wollen sich Niedersachen und Hannover brüderlich teilen. Pikant: Die Landeshauptstadt will ihren Teil mit Krediten finanzieren. Zudem soll das weltgrößte Messegelände filetiert werden, heißt: Hallen müssen womöglich abgerissen, Flächen im schlimmsten Fall versilbert werden.

Auch wenn sich Ernst Raue und August-Wilhlem Scheer in Hannover alle Mühe gaben, den Aufschwung herbeizureden: Die CeBIT war – unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage – kein Glanzpunkt für das deutsche Messewesen. Zitat eines langjährigen Messe-Profis: „Das ist schlimm für unsere ganze Branche.“ Bleibt zu hoffen, das Berlin mit seinem LinuxTag und Stuttgart mit der IT & Business ihre Chancen nutzen und die Konzepte auf die Zukunft ausrichten.