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Paket spurlos verschwunden

Zu dumm, um wahr zu sein … Könnte man denken, wenn man diese Geschichte hier liest, aber alles von Anfang an. Es begann mit einem von mir am 18. Mai verschicktem Paket mit meinem Apple iPad an Board. Das Paket ging hierzu mit dem Hamburger-Paketdienst Hermes auf die Reise, natürlich versichert – schließlich sollte das gute Stück heile bei meinem Bruder (und nur dort) ankommen.

Ich gab also die wertvolle Fracht in einer Paket-Shop-Filiale des Hamburger Unternehmens in Berlin-Charlottenburg auf, so weit – so gut. Ein paar Tage später rief mich mein Bruder an, um mir mitzuteilen dass er eine Mitteilung von Hermes in seinem Briefkasten gefunden hat. In dieser Mitteilung (siehe Foto) steht, Zitat: „Paket zwischen Mülltonnen“ – zu dumm nur, dass da zwischen den Mülltonnen kein Paket zu finden war und überhaupt, war da nicht noch etwas mit Übergabe gegen Quittung?!?

Die Hermes Benachrichtigung zum Paket.

Die Hermes Benachrichtigung zum Paket.

Überrascht von der „kreativen“ Benachrichtigung meines Bruders, machte ich mich gleich auf die Spurensuche. Im online Bereich des Hamburger-Unternehmens konnte ich unter der Sendungsnummer den Verlauf des Paketes einigermaßen nachvollziehen. Jedoch war das Paket zu diesem Zeitpunkt laut System noch in der Zustellung, sprich es gab noch keine neuere Statusmeldung.

Ich fragte mich also, wie es sein kann, das ein versichertes Paket, welches nur gegen eine Unterschrift dem Empfänger übergeben werden darf so einfach zwischen den Mülltonnen abgelegt werden kann. Immer hin wäre das wahrscheinlich grob fahrlässig von dem Kurier, das in seiner Obhut befindliche Paket einfach so zwischen Mülltonnen aus zu setzten. Die Fortsetzung folgt, so bald ich eine Stellungnahme des Hermes Versands vorliegen habe.

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Wechselbar III

Seit dem 2. November sitze ich jetzt schon ohne Telefon- und DSL-Anschluss da, denn ich bin zum 2. November von Alice (HanseNet) zu Vodafone (vormals Arcor) gewechselt. Eigentlich ist das ja auch keine große Sachen, so ein Anbieterwechsel.

Leider ist das bei Vodafone scheinbar anders, mit dem Ergebnis, dass ich seit Dienstag früh hier vor einer toten Leitung sitze und von der Hotline immer nur wage Aussagen bekomme wie, Zitat:

Das Problem ist in Bearbeitung

Wer schon mal ähnliche inhaltslose Aussagen von einer Hotline gehört hat,  kann sich sicher vorstellen, dass das einen zur Weißglut treibt. Ich bin daher gespannt wie ein Flitzebogen, ob mein ISDN- und ADSL2+-Anschuss am kommenden Montag funktionieren wird. Sollte dies nicht der Fall sein, werde ich die nötigen Konsequenzen aus dem Vertragsbruch ziehen!

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Wechselbar II

Heute, Donnerstag 4. November – 16:20 Uhr
Wie mir die Mitarbeiterin einen Tag zuvor geraten hat, habe ich mich ruhig verhalten und die Hotline bis jetzt nicht wieder kontaktiert.  Jedoch ist mittlerweile Donnerstag der 4. Oktober und die Uhr zeigt 16:20 Uhr. Mein Telefon- und DSL-Anschluss ist immer noch nicht online, daher rufe ich wieder mal die Hotline-Nummer 0800-1721212 an und drücke die Tastenkombination (*2=>Vorwahl & Rufnummer=>3=>1) in mein Handy um die Abteilung vom Entstör-Dienst zu erreichen. Der Mitarbeiter, der nach gestoppten 17,5 Minuten Warteschleife am anderen Ende der Leitung ran geht, sagt mir, dass der Anschluss noch immer nicht kaufmännisch freigeschaltet (gelb/grün) sei.

Er gab mir den Tipp, dass ich mich doch am besten gleich selber mal telefonisch mit der kaufmännischen Hotline des Konzernes in Verbindung setzte. Übrigens, die Abteilung hat die Tastenkombination *2=>5=>4 falls es jemanden interessieren sollte. Nach nochmaligen acht Minuten Warteschleife habe ich auch einen kompetent wirkenden und hilfsbereiten Mitarbeiter an der Strippe.

Der Mitarbeiter aus der kaufmännischen Vertragsbearbeitung gibt sich alle Mühe einer zufriedenstellenden Lösung für mein Problem zu finden. Er ist der Erste, der sich die Mühe macht bei den anderen Abteilungen nachzuforschen, woran es hapert. Hierfür warte ich auch bereitwillig in der Warteschleife. Während ich insgesamt ca. 38 Minuten mit Rückfrage in der Warteschleife hänge, fange ich schon mal mit dem Texten für diesen Blogbeitrag an. Am Ende teilte mir der freundliche Mitarbeiter mit, dass der Termin für die frühste Freischaltung nicht vor dem 6. November liege.

Ich erwiderte daraufhin, dass dieses keine akzeptable Lösung für mich ist und ein Problem darstellt.  Woraufhin er noch mal mit seinem CvD Rücksprache hielt und mir zusagte, dass er außerhalb der normalen Prozesse ein Ticket mit hoher Priorität eröffnet. Zu dem versprach er, sich persönlich des Problems anzunehmen und sich spätestens morgen bei mir auf dem Mobiltelefon zurückzumelden und das Ergebnis des soeben eröffneten Tickets mitzuteilen.

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Wechselbar

Das Logo meines neuen Telefonanbieters Vodafone. (Foto: Thorsten Claus)

Das Logo meines neuen Telefonanbieters Vodafone. (Foto: Thorsten Claus)

Da entschließt man sich einmal seinen Telefonanbieter zu wechseln und prompt ist man nach der Schaltung des neuen Anbieters am frühen Dienstagmorgen des 2. November von der Außenwelt abgeschnitten. Tote Leitung, kein ISDN und auch kein DSL, stattdessen sitzt man jetzt auf dem Trockenen. Denn auch eingehende Anrufe sind nicht mehr möglich. Durch die fehlende Breitbandinternetanbindung fällt auch die IP-basierte Alternative, die Telefonie per Internet oder der IP-Centrex flach.

Also gleich um 8 Uhr mit dem Mobiltelefon die Kundenhotline des neuen Anbieters Vodafone angerufen. Nach einer gefühlten halben Stunde Wartezeit in der Endloswarteschleife der Hotline geht auch ein Mitarbeiter an sein Telefon. Die freundliche Dame entschuldigt sich für die lange Wartezeit und begründet diese mit einem bundesweiten Netz-Problem.

Gut denke ich mir, nun hab ich ja einen Mitarbeiter der Hotline gefunden, der dir helfen wird, das bestehende Problem kurzfristig zu lösen. Die Mitarbeiterin nimmt mein Anliegen auf, nachdem ich Ihr kurz den Sachverhalt geschildert habe. In der Hoffnung, dass meine Störung aufgenommen und in den nächsten Stunden behoben wird, beende ich das Gespräch.

Guten Appetit!
Es ist inzwischen Mittag geworden, aber die Leitung ist immer noch tot. Ich rufe erneut die Vodafone-Hotline an, nach ca. 15 Minuten in der altbekannten Endloswarteschleife geht wieder ein Mitarbeiter an sein Telefon. Ich schildere erneut mein Problem von vorne und der Mitarbeiter nimmt mein Problem erneut sehr interessiert auf. Nur weiterhelfen kann er mir nicht, denn er sagt mir nur das was ich schon wusste. Nämlich dass mein Anschluss noch nicht ganz freigeschaltet sei und daher die virtuelle Statuslampe in meinem Datensatz nur halb gelb halb grün ist. Dieses bedeute, so sagt der Mitarbeiter, dass die technische Schaltung zwar durch sei, aber die Kaufmännische eben noch nicht abgeschlossen sei. Ich bat den Mitarbeiter noch mal Druck zu machen, damit die kaufmännische Freischaltung meines Anschlusses zügig abgeschlossen ist und ich endlich wieder telefonieren und surfen kann.

Nach Beendigung des Telefonats, wendete ich mich gleich an die Kollegen der Vodafone-Pressetestelle, um zu erfahren ob es derzeit mehrere solcher Probleme in Berlin bzw. bundesweit gibt. Auf mein Problem direkt könne man aber keinen Einfluss nehmen teilte mir die Unternehmenssprecherin mit. Derweil ist es 20 Uhr durch und noch immer hat sich nichts am Status quo geändert. Wiederholt kontaktiere ich die Hotline meines neuen Telefonanbieters, diese teilt mir nun lapidar mit, dass das Problem in Bearbeitung ist und ich mich bitte 24 Stunden gedulden müsse.

Mittwoch 3. November
Ein neuer Tag, jedoch ein altes Problem, denn ich bin immer noch offline und auch mein ISDN-Telefon ist noch immer tot. Also erneut die Vodafone Kunden-Hotline angerufen und den Entstörungsdienst gewählt. Mittlerweile kenne ich die Hotline-Nummer und die Zahlenkombination für den Entstör-Dienst auswendig. Was lustig klingt, ist aber alles andere als amüsant.

Während dem Telefonat mit der Hotline bzw. in der Zeit in der ich wieder mal in der ewig langen Warteschleife hänge, habe ich meine erste schriftliche Beschwerde ausformuliert und gedruckt. Wie schon befürchtet hatte die Mitarbeiterin der Hotline keine neuen Informationen für mich. Das mittlerweile bekannte Statussymbol in der elektrischen Kundenakte zeigt noch immer das gleiche, wie am Tag zuvor, halb gelb halb grün. Die Mitarbeiterin sagte mir, dass das Problem wohl bis spätestens morgen 16 Uhr gelöst worden sein sollte, da es dann bereist 48 Stunden her wäre. Zu dem machte Sie mich darauf aufmerksam, dass es nicht viel bringen würde, wenn ich vor morgen noch einmal bei der Hotline anrufen würde.

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CeBIT 2010: Von der Leit- zur light Messe

Leere Hallen mit breiten Gängen auf der CeBIT 2010 in Hannover. (Foto: Thorsten Claus)

Leere Hallen mit breiten Gängen auf der CeBIT 2010 in Hannover. (Foto: Thorsten Claus)

Mit diesen Worten läuteten Vertreter eines internationalen Handyherstellers auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor zwei Wochen den endgültigen Abgesang der einstigen IT-Leitmesse in Hannover ein. Die niedersächsische Landesmesse hielt mutig dagegen, dass auch Google in Hannover dabei sei. Nur eben weder mit einer Keynote von Vorstandschef Eric Schmidt, einer eintägigen Entwicklerkonferenz zum Top-Thema „Mobile Apps“ noch mit mind. 1.500 Nexus-One-Smartphones für Fachbesucher. Statt dessen wirbt der Internet-Riese mit drei Street-View-Autos auf einem spartanischen Stand am Hallenrand für sein viel diskutiertes, aktuell erneut kritisiertes „Fotoprojekt“.

CeBIT 2010 Googles-Kammera-Auto (Foto: Thorsten Claus)

CeBIT 2010 Googles-Kammera-Auto (Foto: Thorsten Claus)

Den nächsten „Brüller“ leistete sich die Messe AG mit der Ankündigung der Deutschland-Premiere des neuen Microsoft-Betriebssystems „Windows Phone 7“ in den Laatzener Messehallen. Davon weiß der Deutschland-Pressesprecher des Software-Riesen, Thomas Mickeleit, irgendwie gar nichts, ebenso wie von einem „Phone 7“ auf dem eigenen Messestand. Zum Thema Internationalität bringt Bernd Wagner, Senior Vice Präsident Sales Cluster Germany bei Fujitsu, das „Tüpfelchen“ auf dem „i“. In „spartanischem Grundschul-Englisch“ hangelte er sich am Montag durch die eigene Pressekonferenz und sprach in fließendem „Business-Englisch“ vom aktuellen – Zitat – „Bauabschnitt“ des neuen Fujitsu-Werkes.

Unter der Rubrik „Schon mal gehabt und noch mal aufgewärmt“ präsentiert die diesjährige CeBIT die größten Hits der 07er, 08er und 09er „Prosumer-Show“. Auf gut deutsch: Cloud Computing, Green-IT und Mobile Messaging sind die angebeteten Heilsbringer für die Auftragsbücher 2010. Aber auch die Freunde des „Grünen Daumens“ kommen bei der diesjährigen „Indoor-Gartenschau“ wieder nicht zu kurz. Die ausgedehnten „Grünanlagen“ u. a. in den Business-Hallen 5-7 werden großzügig eingerahmt von extra breiten „Flaniermeilen“ für die zahlreichen „Fachbesucher“, die eines der „begehrten“ Tickets für 0,- EUR bei pearl.de ergattern konnten.

Extra breiten “Flaniermeilen” für die zahlreichen CeBIT-Fachbesucher (Foto: Thorsten Claus)

Extra breiten “Flaniermeilen” für die zahlreichen CeBIT-Fachbesucher (Foto: Thorsten Claus)

Die Wiener Zeitung lästert angesichts des Niedergangs genüsslich über „Das Flaggschiff auf Halbmast.“ Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg sieht hingegen eine positive „Wende“ für die CeBIT und bezeichnet die IT-Messe als „richtige Perle“ für sein Unternehmen. Bleibt die Frage, ob die Lobeshymnen an der – gemeinsam mit der Telekom genutzten – „Endverbraucherhalle“ 4 oder womöglich an geschenkten Quadratmetern liegen… Von verschiedenen Ausstellern war im Vorfeld von satten Preisabschlägen für Ausstellungsfläche und Standbau zu hören. So bekommt man auch noch irgendwie die eine oder andere Sonderschau zusammen.

„Mehr Vorträge, mehr Inhalte, mehr Wissenstransfer„, der Messeveranstalter im Hannoveraner „Elfenbeinturm“ hält mutig dagegen. In den kommenden Tagen werden viele Aussteller und IT-Besucher wohl eher zu dem ernüchternden Ergebnis kommen: „Weniger Hallen, weniger Aussteller, weniger Internationalität„. Schließlich sind die 20er-Halle im Westen des Messegeländes verweist oder mit dem Versuch einer „Business-Musik-Messe“ belegt. Dafür steht die „lokale“ Komponente – von fehlender Internetstrategie der Bundesregierung bis fehlender Kompetenz in Sachen Mobilität – im Mittelpunkt. Auch die schicke, neue CeBIT-App fürs iPhone passt wunderbar da rein. Ob man an der Leine schon mitbekommen hat, dass der iPhone-Hype vorbei ist…?

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. (Foto: Bitkom)

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. (Foto: Bitkom)

Maurice Shahd, Pressesprecher des Bitkom e.V. brachte den vielleicht interessantesten „Kommentar“ zur CeBIT 2010 im Rahmen der Jahrespressekonferenz des IT-Branchenverbandes am Montag-Vormittag: „Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Viel mehr muss man gar nicht mehr zur CeBIT sagen.

Siehe auch: CeBIT 2009 – Der Hermes brennt lichterloh

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Auch in der Ferne gut gebettet ruhen …

So "lecker" kann eine Duschkopf im Niku-Hotel sein. (Foto: Thorsten Claus)

So „lecker“ kann eine Duschkopf im Niku-Hotel sein. (Foto: Thorsten Claus)

Ich bin dienstlich in der rheinischen Metropole Düsseldorf und hatte mir über den „Hotel Reservierungs Service“ ein preiswertes Hotel in der Landeshauptstadt gesucht. Doch was mich bei meiner Ankunft gegen 0:10 Uhr im zwei Sterne „Niku Hotel“ erwartet, verschlägt mir fast die Sprache. Leider hätte mir dieses eh nicht viel genutzt, da der Nachtwächter im Nachbarhotel, wo ich mir den Schlüssel abholen musste sicherlich überfordert gewesen wäre.

Es wird also eine ungewollt lange Nacht. Gegen 2:30 Uhr habe ich den Artikel zum ekel-Hotel fertig und auch ein paar Fotos aufs iPhone gebannt. Dazu bald mehr…

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CeBIT 2009 – Der Hermes brennt lichterloh

4.300 Aussteller zählte die diesjährige CeBIT – ein Einbruch um 1.500 Firmen bzw. 25% im Vergleich zum Vorjahr. Rd. 400.000 Besucher fanden den Weg nach Hannover – 20% weniger als 2008 (495.000). Die CeBIT verlor seit 2001 fast 50% ihrer Aussteller (’01: 8.300) und mit rd. 200.000 qm mehr als die Hälfte ihrer vermieteten Fläche (’01: 430.000 qm). Damit ist der Branchentreffpunkt bei Ausstellern und Besuchern auf dem Stand von 1990 angekommen und kleiner als die Hannover Messe.

„Die CeBIT hat ihr Versprechen gehalten und für Aufbruchstimmung gesorgt“

Ein Geschäftspartner der Messe AG kommentierte die halbleeren Hallen mit den Worten: „Unterm Dach brennt es lichterloh.“ Ein Aussteller drohte angesichts geringerer Geschäftskontakte, seinen Stand 2010 im besten Fall „per Motorsäge zu halbieren“. Ein lokaler Gastronom kommentierte die DMAG mit den Worten: „Die Messe funktioniert seit 40 Jahren mit der Einstellung, dass Aussteller zu ihr kommen und sie bezahlen“. Der Hermes steht in Flammen. Offiziell heißt das „Hermes Plus“.

Schon für 2008 schätzen Insider einen Verlust von 14 Mio. Euro . Bis heute wurde kein Jahresabschluss veröffentlicht. Der CeBIT-Einbruch 2009 wird für die Messeverantwortlichen zum Desaster. Die roten Zahlen werden dieses und vor allem nächstes Jahr weiter steigen. CeBIT und Hannover Messe stehen für 40% der Erlöse. Im kommenden Jahr rechnen Messeprofis auch noch mit einem Einbruch bei der Industriemesse. Grund: Die Krise kommt bei den Maschinenbauern verzögert an.

„Die Messe hat eine Lernkurve – so glatt wie eine Bowlingbahn“

Die Messegesellschaft reagiert – nicht nur für Laien – unverständlich: Freiflächen werden mit breiteren Gängen, bepflanzten Naherholungszonen, zusätzlichen Messegaststätten und Absperrwänden „optimiert“. Der Austellerschwund wird schöngeredet, Halbzeitzahlen werden verweigert, Besucherzahlen sind plötzlich nicht mehr so wichtig. Im Messeturm gilt ebenso wie bei großen Partnern eine Weiter-so-Mentalität. Obwohl das Flammeninferno nicht erst seit heute droht.

Die Suppe löffeln die Mitarbeiter in Laatzen aus. Das Notprogramm „Hermes Plus“ bis 2014 setzt auf Stellenabbau durch Fluktuation und Einstellungsstopp. 60 Zeitarbeiter werden in diesem Jahr wohl ihren Job verlieren. Auf die verbleibenden Mitarbeiter warten zusätzliche Belastungen. Sie müssen eine „Full-Service-Unit“ aufbauen, die für Aussteller den Messeauftritt plant. Ob halbleere CeBIT-Hallen und Pflanzenschauen eine gute Referenz sind, bleibt allerdings mehr als fraglich.

„Wenn Hannover nicht aufpasst, bekommen sie ein Problem“

Die Deutsche Messe AG gilt als chronischer Patient. Schon mit dem Grausamkeiten-Katalog „Hermes 2010“ wollte sie aus den Schulden kommen und neues Geschäft aufbauen. Während man sich in Düsseldorf und Frankfurt in den Flieger setzte und ins Ausland expandierte, sonnten sich die Messefürsten an der Leine in den unendlichen Weiten ihres Geländes. In der Branche gelten kleinere Landesmessen als „flexibler“. Wer bei Drei nicht auf dem Baum ist, landet zumeist am Rhein oder an der Spree.

Ohne die bekannt gewordene Finanzspritze von 250 Mio. Euro steht die Deutsche Messe auf der Kippe. Ministerpräsident Christian Wulff umschrieb dies als „Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit“. Die Infusion wollen sich Niedersachen und Hannover brüderlich teilen. Pikant: Die Landeshauptstadt will ihren Teil mit Krediten finanzieren. Zudem soll das weltgrößte Messegelände filetiert werden, heißt: Hallen müssen womöglich abgerissen, Flächen im schlimmsten Fall versilbert werden.

Auch wenn sich Ernst Raue und August-Wilhlem Scheer in Hannover alle Mühe gaben, den Aufschwung herbeizureden: Die CeBIT war – unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage – kein Glanzpunkt für das deutsche Messewesen. Zitat eines langjährigen Messe-Profis: „Das ist schlimm für unsere ganze Branche.“ Bleibt zu hoffen, das Berlin mit seinem LinuxTag und Stuttgart mit der IT & Business ihre Chancen nutzen und die Konzepte auf die Zukunft ausrichten.